#rockingticinotrails: Drei Tage Vollgas-Biken im Tessin

Drei Tage im Tessin, um sie zu finden: die besten Trails. Gesucht und befahren werden soll alles, was Spass macht und rund um Locarno liegt. Ein fulminanter Start der Bike-Saison im April, wenn noch niemand (ausser dem Schnee) auf den Wegen ist. Fazit? Vier längere Touren mit teilweise sehr technischen Singletrails, verdammt steilen Aufstiegen und grandiosen Aussichten – abgerundet mit einer perfekten Unterkunft und grandiosem Essen. Einziges Problem: Bei total 170 Kilometern und 4’500 positiven Höhenmetern wurde aus «Dolce far niente» definitiv nichts. Hab‘ ich wohl falsch verstanden…

3 volle Tage für Touren. 170 Kilometer. 4’500 positive Höhenmeter (und noch mehr bergab). 1 platter Reifen. 3 Stunden Bike-Tragen. 5+ kleinere Stürze überlebt. 20+ kleinere Schrammen am Bike. Halb so viele an mir… Mind. 1 Milliarde schöner Villen mit Seesicht passiert (ok, grob geschätzt…), 25+ kleinere Steinhäuser-Dörfer durchfahren, dabei das 15 Einwohner-Dorf Corippo (das scheinbar kleinste Dorf der Schweiz) passiert, angenehme 0 kräftige Regenschauer, 3 Gipfel überquert, 9+ Bidons getrunken, 500 Gramm Penne im Studio gekocht – und einige Biere getrunken…

#RockingTicinoTrails in Zahlen

Die Kurzferien in Kurzfassung (oder doch nicht so kurz…)

Ankunft am Donnerstagnachmittag in Locarno, Tag 0. Hoch fahren bis zur Unterkunft, einem sehr schönen Studio in Brione sopra Minusio. Erster Einkauf: Käse, Penne, Bier, Brot, Sauce, Salat und Saft – vermutlich auch mit der gleichen Priorität wie aufgezählt…

Tag 1: Cardada-Trail und Monte Tamaro

Start der ersten Tour, über 1’000 Höhenmeter hoch bis zum Dorf Monte Bré und noch (einiges) weiter. Die Ruhe, das weit und breit alleine zu sein, irgendwo im Nirgendwo, entschädigt für den Anstieg. Die Aussicht leider nicht – den Wolken gefällt es hier scheinbar ebenso. Für die anschliessende Abfahrt ist der Cardada-Trail brutal zu empfehlen: Nicht sehr technisch, aber desto spassiger. Ankunft in der Unterkunft – aber es ist erst Mittag?! Also kurz die zweite Tour geplant und ab nach Rivera, mit der Minigondel hoch zum Monte Tamaro. Angekommen, in den Sattel gesetzt und nach 200 Metern unmissverständlich klar geworden: Die geplante Tour ist unmöglich. Weiter oben liegen noch mehr als 1.5 Meter Schnee… Also einfach umgeplant und via Downhill-Strecke runter bis nach Rivera. Als Bonus noch die Heimfahrt aus eigener Muskelkraft – über Pflasterstrassen im Wald, vorbei an Flug- und Campingplätzen, entlang dem Ufer des in der Nachmittagssonne glänzenden Lago Maggiore.

Wartest du nun auf Bilder? Die gibt’s im anderen Beitrag.

Tag 2: Viel (erwartete und unerwartete) Abwechslung

#earlytobedearlytoshred: Heisst frühmorgens los in Richtung Verzasca-Tal. Erste enge Spitzkehren und kleine Sprünge sind ziemlich geil, um wach zu werden. Dank Hardtail verwandelt sich der Trail mit vielen kleinen Bodenwellen in eine riesige Spielwiese. So lande ich grinsend beim Verzasca-Damm. Beim ersten Leuchten der Morgensonne über den Gipfelkuppen alleine über die Staumauer des Verzasca-Damms zu fahren – ohne Lärm und Leute? Unbezahlbar!

Zügig folge ich weiter der angezeigten Route auf meinem Garmin. Leider wird schnell klar, so zügig wie geplant, komme ich definitiv nicht voran. Ständiges Bike-Tragen über lange Stufen und Klettern entlang von helfenden Drahtseilen machen mit deutlich langsamer als geplant… Die ca. 4 km/h Geschwindigkeit meines Bikewanderns erkennt sogar mein Garmin nicht mehr – und pausiert jeweils… Als Minimotivationsspritzen dienen immer wieder kurze, technisch herausfordernde Abfahren über Geröllfelder, Stufen und verdammt enge Spitzkehren. Erkenntnis: Auch mit einem Hardtail ist erstaunlich viel und gleichzeitig schnell befahrbar.

Nach rund 2 Stunden muss eine neue Route her. Deshalb aktuelle Tour gestoppt, neue Route erstellt, synchronisiert, kurz gestaunt, dass es so einfach geklappt hat; und weiter gehts! Komme zwar einiges zügiger voran, aber die gefühlt alle 5 Minuten kommenden Anstiege machen das ganze Unterfangen doch anstrengender als gedacht… Um die Motivation hoch zu halten, pausiert nach einer schlauen Anpassung mein Garmin bei 2 km/h nicht mehr…

Und das Verzasca-Tal hat einiges Schönes zu bieten: Das verschlafene Dorf Corippo mit seinen dicht an dicht gereihten Steinhäusern, hellgrauen Mauern und dunklen Dächern zählt 15 Einwohner – scheinbar das kleinste Dorf der Schweiz. Auch der ständige freie Blick zur in der Tiefe fliessenden Verzasca lohnt sich: Zwischen grossen Steinfelsen schlängelt sie sich hindurch und sammelt sich immer wieder in kleineren Becken, in denen die Sonne für ein buntes Farbenspiel in abwechselnden Grün- und Blautönen sorgt. Die Römerbrücke in Lavertezza, die der Wanderweg auch passiert, sticht in der Fülle gar nicht mehr besonders heraus – sondern reiht sich perfekt ein in mein altertümliches Bild des Verzasca-Tals.

Was einige Kilometer später auch heraussticht, muss eine Steinkante gewesen sein, die innert Kürze sämtliche Lebensluft meinem Reifen entzieht… Auch nach über 20-minütigem Gewürge, Geächze und Gestöhne will der Reifen aber nicht von der Felge. Um die Nerven – und auch meinen Magen – zu beruhigen, suche ich kurzerhand nach dem nächsten Restaurant, dass ich dann bikeschiebend schnurstracks ansteuere (ein Dank an die Osteria Motta, mein Freund und Helfer!). Gestärkt mit gefühlten 200 Gramm Spaghetti klappt nach erneuten 15 Minuten der Reifenwechsel doch noch und es kann weiter fahren (gehen muss ja zum Glück nicht mehr…).

Teil 3 der Tour startet also doch noch – zu meiner grossen Freude. Um schneller voranzukommen, plane ich die Weiterfahrt nicht mehr in der Kategorie «Mountainbike Alpin», sondern bleibe bei der «klassischen» Kategorie der Mountainbike-Wegplanung. Mein Tipp: Das hintere Verzasca-Tal! Gerade der Abschnitt von Brione nach Sonogno lohnt sich: Einfach aber sehr flowig zu fahren, perfekt nach meinem ganzen Bike-Getrage… Und Sonogno ist definitiv ein Abstecher wert! Ein wunderschönes altes Dorf, durch dessen Gassen man perfekt mit dem Mountainbike kurven kann. Dann wieder zurück dem Bike-Trail entlang bis nach Brione und von dort Talabwärts bis nach Tenero und dann heim. Rund 9 Stunden nach Abfahrt erreiche ich endlich wieder mein kleines Studio.

Tag 3: Über Rasa ins Centovalli

Nach einigem Experimentieren an Tag 2 setze ich auf eine der scheinbar besten Touren im Tessin, Startort ist Locarno. Durch Vita-Parcours und anderen kleinen Trails geht’s rüber knapp über Ascona. Von dort schlängelt sich die Strasse den Berg hoch – scheinbar endlos, über 1’000 Höhenmeter. Zur Freude meiner Beine gibt es kurz vor Erreichen des Gipfels einen Laktat-Boost, ausgelöst durch einen technischer, steilen Aufstieg über Wiesen, kleine Stufen und lose Kieswege.

Zuoberst geht’s dann nahtlos in den Downhill. Tessin-typisch durch wurzeldurchzogene Buchenwälder, gespickt mit grösseren und kleineren Felsen. Und weil es erst April ist, kreuzen diverse Schneefelder den Wanderweg. So kommt eine brutal geile, aber gleichzeitig auch brutal anspruchsvolle Abfahrt zusammen, gepaart mit einem steilen Abhang, der ein paar Zentimeter neben dem Trail droht. Definitiv kein Trail für Anfänger und «Höhenängstler». Der schier endlose Trail endet in Rasa, einem kleinen Bergdorf – und wie bei gefühlt jedem Tessiner Dorf: Wunderschöne Steinhäuser, gelegen irgendwo im Nirgendwo… Der weitere Downhill entpuppt sich keinesfalls als einfacher, lediglich der dichte Wurzelteppich weicht hier grösseren und kleineren Steinstufen gespickt mit losem Geröll. Dazu kommen zur Abwechslung ein paar Tragepassagen… Nach dem Erreichen eines weiteren kleinen Dorfes irgendwo im Nirgendwo hat es hier allerdings eine geteerte Strasse – definitiv zu meiner Überraschung. Und damit wandeln sich auch die Fahreranforderungen: Nach einem kurzen Anstieg gehts praktisch nur noch bergab auf kurvigen und damit spassvollen Teerstrassen bis nach Locarno. Und so endet die Tour auf der Piazza Grande mit einer grossartigen Pizza (Mascarpone, Speck, Cherry-Tomaten und Rucola!). Was für eine Tour! Notiz an mich: Trotz konstantem Handy-Empfang das nächste Mal nicht mehr alleine fahren…

Ein paar Notizen an mich – für ein anderes Mal

  • Wenn Komoot meint «Mountainbike Alpin», dann ist es auch Alpin – sprich: Viel Bike-Getrage und Stufen. Und leider nicht wie erhofft, fahrbar für technisch versierte Biker…
  • «Merfen» oder anderes Desinfektionsmittel unbedingt wieder einpacken! Und auch die Zahnbürste…
  • Tubeless-ready Reifen von einer Tubeless-Felge runter zu bringen geht – es braucht einfach (sehr, sehr) viel Kraft. Experten-Tipp aus Erfahrung: Im äussersten Notfall 200g Spaghetti Bolognese kochen, genug Parmesan drüber und gestärkt nochmals versuchen.
  • Man hat nie zu wenige Energie-Riegel dabei auf einer Tour. Sie sollten auch als Mittagessen im tessinischen Nirgendwo ausreichen
  • Rega-App immer noch installiert und getestet?

Die Touren zum Download und Nachfahren

Hier für mich als Backup noch die Links zu den detaillierten Touren – vielleicht sind sie auch für was dich? Jede Tour kann über den Link zu Komoot easy direkt fürs GPS-Gerät heruntergeladen und nachgefahren werden! Fragen? Schreib mir.

Was jetzt? Die drei fett markierten Touren unbedingt nochmals fahren. Und den ursprünglich geplanten Tamaro-Trail ohne 1.5 Meter Schneedecke fahren… siehe hier: https://www.komoot.de/tour/61718142?ref=wtd

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